{"id":603,"date":"2023-10-29T23:15:34","date_gmt":"2023-10-29T23:15:34","guid":{"rendered":"https:\/\/antiziganismus.org\/?p=603"},"modified":"2023-10-30T15:34:35","modified_gmt":"2023-10-30T15:34:35","slug":"mediale-repraesentation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/antiziganismus.org\/?p=603","title":{"rendered":"Handlungsempfehlungen: Mediale Repr\u00e4sentation"},"content":{"rendered":"\n<p>Aus dem Bericht der<strong> Unabh\u00e4ngigen Kommission Antiziganismus<\/strong> mit dem Titel &#8220; Perspektivwechsel. Nachholende Gerechtigkeit. Partizipation.&#8220; Beauftragt durch das Bundesministerium des Inneren, f\u00fcr Bau und Heimat.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00d6ffentlich-rechtlicher Rundfunk- und Fernsehanstalten<\/p>\n\n\n\n<p>Die Unabh\u00e4ngige Kommission Antiziganismus empfiehlt \u2026 \u2022 die Selbstorganisationen der Roma und Sinti an den Verwaltungs und Aufsichtsgremien und an der Programmgestaltung der \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten zu beteiligen. Eine besondere Verantwortung f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Antiziganismus f\u00e4llt den Auswahlgremien f\u00fcr die Vergabe von Preisen und F\u00f6rdergeldern zu. Insbesondere m\u00fcssen \u00fcberzeugende k\u00fcnstlerische und journalistische Arbeiten zur Dekonstruktion antiziganistischer Wahrnehmungs- und Denkmuster st\u00e4rker gew\u00fcrdigt werden. Dringend erforderlich ist zudem die Etablierung und Verstetigung eines kritischen Austausches mit den <\/p>\n\n\n\n<p>Selbstorganisationen. Als Minimalforderung f\u00fcr die Beteiligung bei der Programmgestaltung gilt ein regelm\u00e4\u00dfig erscheinendes Zeitfenster in den \u00f6ffentlich-rechtlichen Programmen mit einer Berichterstattung \u00fcber ihre Situation und ihre Anliegen sowie \u00fcber ihre kulturellen Aktivit\u00e4ten. Wenn es Bestrebungen von Selbstorganisationen gibt, eigene Formate wie Presseagenturen, Sender oder Publikationen zu etablieren, sind n, sind diese finanziell und ideell zu&nbsp;f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n<p>Redaktionen\/Verantwortliche in Medienunternehmen\/Medienschaffende<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Unabh\u00e4ngige Kommission Antiziganismus empfiehlt \u2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 Institutionen und Organisationen wie Presserat, Deutscher Journalisten Verband, Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union sowie Medienunternehmen und Redaktionen in einem Prozess kritischer Selbstvergewisserung, der die Ergebnisse antiziganismuskritischer Forschung einbezieht, ethische Richtlinien zur Bearbeitung dieses Themenfeldes und Beispiele f\u00fcr \u201agood practice\u2018 zu erarbeiten. Sie&nbsp;sollten dazu in einen regelm\u00e4\u00dfigen Austauschprozess mit den Selbstorganisationen treten. Eine wichtige Voraussetzung daf\u00fcr bildet die Aufnahme des Themas in die Lehr- und Ausbildungspl\u00e4ne der Studieng\u00e4nge f\u00fcr Journalismus und f\u00fcr Medien und Kommunikation an den Universit\u00e4ten und Hochschulen und an den Schulen und Hochschulen f\u00fcr Journalismus. Es sollte aber auch ein regelm\u00e4\u00dfiger Bestandteil der Fortbildungsprogramme f\u00fcr Journalist_innen sein.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 die Richtlinie 12.1 des deutschen Pressekodex zur Benennung der Herkunft von Straft\u00e4tern zu pr\u00e4zisieren. Sie ist in ihrer aktuellen Form wirkungslos. Die Nennung von Minderheitenzugeh\u00f6rigkeit bei der Berichterstattung \u00fcber Straftaten darf nur erfolgen, wenn ein \u201ezwingender Sachbezug\u201c besteht. Auch die Praxis-Leits\u00e4tze, die in ihrer derzeitigen Form sogar eine ethnisierende Berichterstattung nahelegen, sollten dringend \u00fcberarbeitet werden. Dar\u00fcber hinaus sollte die Richtlinie erg\u00e4nzt werden, um kollektive Vorw\u00fcrfe von Straftaten grunds\u00e4tzlich auszuschlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Verlagswesen<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Unabh\u00e4ngige Kommission Antiziganismus empfiehlt \u2026 <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 grunds\u00e4tzlich bei Neuauflagen von historischen Werken der Literatur \u2013 insbesondere der Kinder- und Jugendliteratur \u2013, die antiziganistische Motive tradieren oder antiziganistische Figuren pr\u00e4sentieren, den Leser_innen geeignete Mittel zur Dekonstruktion und Aufkl\u00e4rung an die Hand zu geben. Dies kann, abh\u00e4ngig vom jeweiligen einzelnen Werk, auf unterschiedliche Weise geschehen. Unverzichtbar sind eine kritische historische <\/p>\n\n\n\n<p>Kontextualisierung und der Hinweis auf eine berechtigte \u00c4nderung des Sprachgebrauchs in der Gegenwart. Eine geeignete Textform ist zum Beispiel ein Vor- bzw. Nachwort.<\/p>\n\n\n\n<p>Bildagenturen und -archive<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Unabh\u00e4ngige Kommission Antiziganismus empfiehlt \u2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 kommerziellen wie \u00f6ffentlichen Bildagenturen und -archiven, eine Selbstverpflichtung einzugehen, ihre Best\u00e4nde zu \u00fcberarbeiten und bei jeder Genehmigung zur Wiedergabe Bilder kritisch zu pr\u00fcfen. Hierbei ist insbesondere ein m\u00f6gliches fehlendes Einverst\u00e4ndnis der Gezeigten von Relevanz. Ein Perspektivwechsel in der medialen Repr\u00e4sentation von Roma und Sinti bedarf eines grunds\u00e4tzlichen Bruchs mit den einge\u00fcbten stereotypisierenden, rassistische Einstellungen bedienenden Sehweisen. Dies gilt insbesondere f\u00fcr die Verwendung von Bildmaterial, auf das in der journalistischen und k\u00fcnstlerischen Arbeit zur\u00fcckgegriffen, aber auch f\u00fcr das, was jeweils neu produziert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 den Aufbau alternativer Foto-Pools in Zusammenarbeit von Fotograf_innen mit Selbstorganisationen der Minderheit. Dies kann Journalist_innen bei ihrer Arbeit dahingehend unterst\u00fctzen, diskriminierendes Bildmaterial nicht zu reproduzieren. Selbstorganisationen der Roma und Sinti sollten beim Aufbau solcher Foto-Pools \u2013 die auch Hintergrundinformationen anbieten oder Interviewpartner_innen zu spezifischen Themen vermitteln k\u00f6nnen&nbsp;\u2013 mit \u00f6ffentlichen Mitteln unterst\u00fctzt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Partizipation und Nachwuchsf\u00f6rderung<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Unabh\u00e4ngige Kommission Antiziganismus empfiehlt \u2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 umgehend wirksame Ma\u00dfnahmen zur st\u00e4rkeren Selbstrepr\u00e4sentation von Roma und Sinti im Medienbereich zu ergreifen. Das kann durch spezielle F\u00f6rderprogramme und Stipendien f\u00fcr die einschl\u00e4gigen Studieng\u00e4nge f\u00fcr Journalismus und f\u00fcr Medien und Kommunikation, durch Schaffung von Praktika-Pl\u00e4tzen in den \u00f6ffentlich-rechtlichen Medien sowie durch Ausschreibungen f\u00fcr bestimmte Themen oder Formate umgesetzt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 journalistische, literarische oder k\u00fcnstlerische Arbeiten von Roma und Sinti systematisch zu f\u00f6rdern. Trotz der Existenz einer F\u00fclle einschl\u00e4giger Stiftungen und Stipendien fehlt bisher eine systematische F\u00f6rderung journalistischer, literarischer oder k\u00fcnstlerischer Arbeiten von Roma und Sinti vollst\u00e4ndig. Dazu z\u00e4hlen auch die Drucklegung und Publikation von Texten (sowohl in deutscher Sprache als auch zweisprachig [Deutsch-Romanes]), die Ausstellung oder F\u00f6rderung von Werken.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben Genderungen durch die Volksbezeichnung \u201eRoma und Sinti\u201c ersetzt. Zur Begr\u00fcndung:<\/p>\n\n\n\n<ul>\n<li>Es wird auch nicht im Ursprungsbericht \u00fcberall gendergerecht formuliert.<\/li>\n\n\n\n<li>Der Bericht weist auf die kontroverse Diskussion zur Genderung hin.<\/li>\n\n\n\n<li>Wir m\u00f6chten als Volk wahrgenommen werden. Als Individuen kann uns jeder gerne in unserer Vielfalt kennenlernen.<\/li>\n\n\n\n<li>Wenn es wirklich konsequent um Genderung geht, m\u00fcsste man auch \u201eFranzosen und Franz\u00f6sinnen\u201c als \u201eFemme et Homme\u201c formulieren. Bitte verstehen Sie diese Absurdit\u00e4t.<\/li>\n\n\n\n<li>Wir bevorzugen generell die Verwendung einer geschlechtsneutralen Form in der Sprache des Romanes.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus dem Bericht der Unabh\u00e4ngigen Kommission Antiziganismus mit dem Titel &#8220; Perspektivwechsel. Nachholende Gerechtigkeit. 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